Die Geologie eines Tals lässt sich beim Wandern direkt ablesen — in der Form der Hänge, in den anstehenden Felsformationen, in der Breite der Talsohle. Ein Grundverständnis der wichtigsten Fachbegriffe hilft dabei, die Landschaft zu verstehen, ohne ein Fachstudium vorauszusetzen.

Wie entsteht ein Tal?

Täler entstehen hauptsächlich durch Erosion — den Abtrag von Gestein durch Wasser, Eis oder Wind. In Deutschland dominiert die fluviale Erosion (durch Flusswasser) bei den meisten Mittelgebirgstälern. Dabei schneidet sich ein Fluss über Jahrtausende in das anstehende Gestein ein und schafft dabei verschiedene Talformen, je nach Gesteinsart, Geländegefälle und Wassermenge.

Talformen im Überblick

Kerbtal (V-Tal)

Das Kerbtal entsteht bei starker Tiefenerosion in hartem Gestein. Die Hänge fallen steil ab, die Talsohle ist schmal oder fehlt fast vollständig. Typisch für junge Gebirge und stark geneigtes Gelände. Im Rheinischen Schiefergebirge sind viele Seitentäler der Mosel und der Ahr als Kerbtäler ausgebildet.

Muldental (U-Tal)

Ein Muldental entsteht, wenn die seitliche Erosion (Lateralerosion) dominiert. Die Hänge sind flacher, die Talsohle breiter. Typisch für ältere, ausgereifte Flusssysteme und weichere Gesteine. In den Tiefebenen Norddeutschlands ist diese Talform häufig.

Durchbruchstal

Ein Fluss schneidet sich quer durch ein Gebirgszug — das Ergebnis ist ein Durchbruchstal. Das bekannteste Beispiel in Deutschland ist das Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz, wo der Rhein das Rheinische Schiefergebirge durchquert.

Grabenbruch

Ein Grabenbruch (Graben) entsteht durch tektonische Absenkung: Ein Gesteinsblock sinkt entlang von Verwerfungen ab, während die Flanken stehen bleiben. Der Oberrheingraben zwischen Schwarzwald und Vogesen ist das bekannteste deutsche Beispiel. Hier ist das Rheintal nicht durch Erosion, sondern durch geologische Bruchprozesse entstanden.

Gesteinsbegriffe für den Wanderweg

BegriffErklärungVorkommen
SchieferMetamorphes Gestein mit Blätterung entlang paralleler FlächenMittelrheintal, Moseltal
QuarzitHartgestein aus umkristallisiertem Sand, sehr erosionsresistentHunsrück, Taunus
SandsteinSedimentgestein aus verfestigtem Sand, oft rötlich oder gelblichPfälzerwald, Franken
KalksteinSedimentgestein aus Kalziumkarbonat, löst sich in sauren GewässernSchwäbische Alb, Fränkische Alb
BasaltVulkanisches Gestein, oft dunkles SäulenprismaEifel, Vogelsberg, Westerwald

Was man beim Wandern beobachten kann

Ohne Hammer und Labor lassen sich einige Gesteinsmerkmale im Gelände erkennen:

Weiterführende Quellen

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