Das Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz gehört zu den geologisch faszinierendsten Landschaften Deutschlands. Seit 2002 ist der Abschnitt des Oberen Mittelrheintals UNESCO-Weltkulturerbe. Die Entstehungsgeschichte des Tals reicht Millionen von Jahren zurück und lässt sich an den Felsen und Hängen bis heute ablesen.
Das Rheinische Schiefergebirge
Das Gebiet, durch das der Rhein fließt, wird als Rheinisches Schiefergebirge bezeichnet. Es umfasst die Eifel im Westen, den Westerwald im Osten, den Taunus im Südosten und den Hunsrück im Südwesten. Die prägenden Gesteine entstanden im Devonzeitalter vor etwa 350 bis 420 Millionen Jahren am Meeresboden als Sedimentgesteine — hauptsächlich Schiefer, Quarzit und Sandstein.
Das Durchbruchstal des Rheins
Die wichtigste geologische Besonderheit des Mittelrheintals ist seine Entstehung als Durchbruchstal. Vor etwa 25 bis 30 Millionen Jahren begann sich das Rheinische Schiefergebirge tektonisch anzuheben. Der Rhein floss bereits über das Gebiet hinweg und schnitt sich mit der Hebung des Gebirges immer tiefer in das Gestein ein — statt einen Umweg zu nehmen.
Die Loreley — ein geologisches Wahrzeichen
Der 132 Meter hohe Loreleyfelsen bei Sankt Goarshausen besteht aus devonischem Schiefer. An dieser Stelle ist das Tal besonders eng, der Fluss besonders schnell. Die Enge entstand, weil der härtere Schieferfels der Erosion besser widerstand als das umgebende Gestein.
Was Wanderer an den Hängen sehen
Auf den Wanderwegen entlang des Mittelrheins begegnen Wanderer vor allem zwei Gesteinstypen:
- Devonischer Tonschiefer: Grau bis blaugrau, in dünne Platten spaltend. Gut erkennbar an Felsanschnitten am Wegrand. Sehr häufig im Hunsrück.
- Quarzit: Helleres, härteres Gestein, bildet Grate und Felsvorsprünge. Erosionsresistenter als Schiefer, daher oft in höheren Lagen oder an Steilhängen.
Terassen und Burg Ablagerungen
Entlang des Rheins finden sich in verschiedenen Höhenlagen Schotterterrassen — abgelagerte Kies- und Geröllschichten aus früheren Hochständen des Flusses. Diese Terrassen dienten historisch als bevorzugte Siedlungsplätze und wurden zum Weinbau genutzt, weil sie gut drainieren und sich schnell erwärmen.
Vulkanismus in der Eifel
Westlich des Rheintals liegt die Eifel mit ihrer vulkanischen Geschichte. Basaltgesteine — entstanden aus erkalteter Lava — prägen dort zahlreiche Hügel und Kuppen. Maare, die tiefen runden Seen der Eifel, sind Zeugen früherer phreatomagmatischer Ausbrüche. Der jüngste Vulkanismus der Eifel liegt nach aktuellem Forschungsstand einige Zehntausend Jahre zurück.